Cowgirl – der Film

cowgirl-posterCowgirl – der Film

Manchmal bietet das Leben für Frauen einfach zu wenig Action. Ruckzuck ist man bzw. Frau zum zahmen Weibchen degradiert, deren größte Abwechslung vom Alltag darin besteht, mal ein neues Rezept auszuprobieren. So ergeht es zu Beginn auch der Heldin in der deutschen Komödie „Cowgirl“ (2004). Regisseur Mark Schlichter hat hier seine Hauptrolle in allerlei Klischees gesteckt, die man sich nur denken kann, sodass eigentlich nur die obligatorische Tupperparty mit der ganzen provinziellen Nachbarschaft fehlt. Nichtsdestotrotz schwingt sich der Film dann aber zu einem wahren Großstadtabenteuer und Mafia-Action-Streifen auf und lässt dabei auch die nötige Lovestory nicht vermissen. Erfrischend anders und abwechslungsreich wird all das aber eben erst dadurch, dass hier nicht der smarte und sportliche Kerl im Anzug die Hauptrolle einnimmt, sondern eben die anfangs so biedere Hausfrau. Wenn diese dann Kochlöffel gegen Knarre eintauscht, ist köstlich amüsantes Kino garantiert – besonders für all jene, die hin und wieder wirklich gern mal das öde Familien- und Vorstadtleben gegen rasante Action eintauschen würden.

Cowgirl der Trailer

Desperate Housewife in der deutschen Vorstadt

Das Leben kann so eintönig sein, ganz besonders in der deutschen Provinz und in einem Kaff namens Stuvensiel. Paula (Alexandra Maria Lara) weiß das nur zu gut. Der Job als Bibliothekarin ist bereits das Paradebeispiel für Monotonie und damit nicht einmal eine Abwechslung von ihrem Leben im immer gleichen Alltag an der Seite ihres Mannes Edgar (Peter Lohmeyer) – einem Versicherungsvertreter, na klar. Der ist zwar passionierter Tänzer aber keiner der schnellen Sorte und damit dennoch ein ziemlicher Langweiler. Dass sich Paula bisher noch nicht aus dem Staub gemacht hat, ist den Büchern und Filmen zu verdanken, in denen sie regelmäßig zumindest noch erkennt, dass das Leben aufregend sein kann. Irgendwann steht aber doch mal kleines Highlight an: das Abiturtreffen zum zehnjährigen Jubiläum. Wie sehr dieses Ereignis plötzlich alles auf den Kopf stellen wird, ahnt Paula vorher freilich noch nicht, wenngleich auch ihre einstige Jugendliebe Max (Wotan Wilke Möhring) ganz gewiss bei dem Jahrgangstreffen dabei sein wird. Mit ihm hätte alles anders verlaufen können, doch hat der sie einst sitzen gelassen und zog aus, die Welt zu erobern. Dann findet das Treffen statt und wie sich herausstellt, lief auch bei Max kaum etwas, wie es geplant war. Doch alte Liebe rostet nicht und so entflammen die alten Gefühle erneut. Paula erkennt, dass sie auf so eine Chance schon lange gewartet hat und ist bereit, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und ihrer Leidenschaft zu folgen.

Vom heimischen Herd in die Hamburger Unterwelt

Ein letztes Mal stellt sie sich noch an den heimischen Herd, kocht ihrem Gatten ein deftiges Gericht und stürzt dann ohne Umschweife aus dem Haus und reist zu Max nach Hamburg. Da zeigt sich auch schon, welche Wendung ihr Leben nun bekommt: sie findet ihren Helden in einer brenzlichen Situation und von irgendwelchen Gaunern bedroht vor. Zum Glück erinnert sich die abenteuerlustige Hausfrau an einen Kriminalfilm, den sie vor kurzem gesehen hat. Dank guter Schauspielkunst und den passenden Dialogzeilen kann sie somit das etwas naive Schlägertrio (Ralf Richter, Sönke Möhring, Robert Viktor Minich) in die Irre führen und die Situation entschärfen. Max ist damit vorerst gerettet, doch die Aktion hat den Hamburger Mafiaboss Blessing (András Fricsay) gehörig verärgert und ein Pate kennt keine unbeglichenen Rechnungen. Statt langweiligem Vorstadtleben hat die einstige Bibliothekarin nun mehr Action als ihr lieb ist. Eh sie sich versehen, ist das neue Liebespaar nun auf der Flucht vor den Mafiosis und zu allem Überfluss auch vor einem korrupten Polizisten (Gottfried John). Die Schurken in die Flucht schlagen und als Helden triumphieren – im Film sah das immer so einfach aus. Da ist es vielleicht das Beste, sich auf den Film zu verlassen, der Paula und Max schon einmal den Hals gerettet hat.